Dienstag, 17. Mai 2011

Und sie bäckt


Es freut mich sehr, dass ich nach den deutschen, spanischen, italienischen und österreichischen Gerichten, die ich in meiner Zeit in London (schon über ein Monat, ist das nicht unglaublich?) bisher fabriziert habe, heute eine durch und durch englische Spezialität präsentieren kann. Schließlich ist das englische Essen durchaus einer der Gründe, weshalb ich Großbritannien so liebe. Einige altbekannte Klassiker wie Scones, Apple Crumble und Stuffing habe ich bereits vor einiger Zeit hier besprochen, heute ist ein Rezept dran, das in Deutschland etwas weniger bekannt, hier aber, vor allem um Ostern herum, äußerst beliebt ist: Hot Cross Buns. Abgesehen davon, dass 'bun' eines dieser wunderschönen Worte ist, deren Klang allein schon das beschreibt, was sie bezeichnen, kann ich zu Hot Cross Buns noch erwähnen, dass sie aus Hefeteig gemacht werden, jede Menge Gewürze und Rosinen (oder Korinthen) enthalten, und zusammen mit einer Tasse Tee mit Milch perfekt zu jeder Tageszeit und jedem Gemütszustand kombinierbar sind.
Die Zutatenliste für das Rezept stammt mehr oder weniger so von der Website der BBC, die Anleitung und Reihenfolge der Schritte waren jedoch so fragwürdig, dass ich sie stark verändert habe. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

625 g Mehl,
1 TL Salz,
85 g Zucker,
Abrieb 1/2 Zitrone, 
1 TL gemahlenen Piment,
1/2 TL gemahlenen Zimt und
1 Prise gemahlene Muskatnuss in einer Schüssel mischen.
275 ml lauwarme Milch mit
1 ½ TL Trockenhefe vermischen und alles mit der Küchenmaschine verkneten. Dabei
1 Ei und
45 g weiche Butter hinzufügen. 5 Minuten kneten. Zu einer Kugel formen, abdecken und 1 Stunde gehen lassen.
125 g Rosinen (oder Korinthen) einkneten. Eine weitere Stunde gehen lassen.
In 12 Teile teilen, Buns formen und auf ein Blech mit Backpapier setzen. Abgedeckt 40 Minuten gehen lassen. Dann den Ofen auf 240°C aufheizen,
3 EL Mehl mit
3 TL kaltem Wasser zu einem zähen Brei verrühren, diesen in eine Spritztüte (lässt sich aus Backpapier ganz schnell selbst basteln, Anleitung siehe hier) füllen, und damit Kreuze auf die Buns spritzen. Die Buns 12-14 Minuten backen, aus dem Ofen nehmen und sofort mit leicht erwärmten
3 EL Ahornsirup bepinseln. Abkühlen lassen.

Und gerade habe ich noch ein wenig auf Wikipedia über Hot Cross Buns nachgelesen, und folgenden Brauch möchte ich niemandem vorenthalten:
"If hung in the kitchen, they [the buns] are said to protect against fires and ensure that all breads turn out perfectly. The hanging bun is replaced each year."
Ich glaube allerdings, dass ich diesem Brauch vielleicht doch nicht unbedingt folgen werde...

Nachtrag: Ich würde beim nächsten Mal statt 3 EL kaltem Wasser 2-3 EL flüssige Butter für die Kreuze verwenden, da der Mehl-Wasser-Teig beim Backen etwas hart wird. Erfahrungsberichte folgen so bald wie möglich.

Kommentare:

  1. Liebe Eva,

    ich habe mal irgendwo gelesen, dass diese hot cross buns einen christlichen Hintergrund haben. Deshalb dieses Kreuz in der Mitte und darum auch der Backzeitpunkt für Ostern. Weißt du da mehr dazu?

    Es grüßt aus der alten Heimat

    Martin

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  2. Hallo Martin,
    ich habe mal ein wenig recherchiert, und es gibt diverse Theorien zum Ursprung der Hot Cross Buns: das Christentum beansprucht sie für sich, und beruft sich auf die eindeutige Symbolik - das Brot repräsentiere die Kommunion, die Gewürze symbolisiere diejenigen, die Jesu Grab beigegeben wurden, und dann ist da natürlich auch noch das Kreuz. Eine weitere Theorie besagt, dass die Protestanten im Elisabethanischen England den recht reichhaltigen Buns kritisch gegenüberstanden, weshalb der Verzehr auf Feiertage wie Ostern beschränkt wurde. Andere Quellen meinen, dass die charakteristische Vierteilung der Buns durch das Kreuz auch schon bei den alten Römern üblich war; wieder andere, dass die Buns einer sächsischen oder heidnischen Tradition entstammen. Die erste überlieferte schriftliche Nennung der Hot Cross Buns stammt jedenfalls erst aus dem Jahr 1733, dort aber klar in Verbindung mit dem Karfreitag. Oh, und das Kreuz wurde wohl ursprünglich nicht aufgemalt, sondern mit dem Messer hineingeritzt, was mich nun wieder stark an die klassischen weißen Semmeln in Deutschland erinnert, die ja so viel ich weiß eingeschnitten werden, damit sie beim Backen schöner aufgehen. Ich könnte mir also vorstellen, dass im Falle der Hot Cross Buns dieses ursprünglich vielleicht rein pragmatische Vorgehen im Laufe der Zeit mit allerlei Symbolik aufgeladen wurde, und füge hiermit den diversen Theorien eine weitere hinzu :-)
    Liebe Grüße,
    Eva

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  3. sieht extrem lecker aus, das mache ich dann wohl auch mal

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