Dienstag, 19. April 2011

Einstandskuchen


Meine Einträge sind in letzter Zeit sehr kuchenlastig, was ich eigentlich ändern wollte, aber das heutige Rezept ist etwas Besonderes, und deshalb mache ich eine Ausnahme: Diese Linzer Torte war das erste, was ich in meiner neuen Wohnung in London in Sachen Kulinarik fabriziert habe. Man mag sich jetzt fragen: warum ausgerechnet Linzer Torte? Das kam so:
In den ersten Tagen hier war ich so mit Kisten auspacken und Wohnung einrichten beschäftigt, dass ich mich, oh Schande, nahezu ausschließlich von Rice Krispies ernährte. (nicht dass das jetzt jemand falsch versteht, ich mag Rice Krispies, so ab und zu, aber dreimal täglich? naja..) Jedenfalls luden mich ein paar liebe Freunde ein paar Tage später zum Abendessen ein und machten meiner Reisdiät damit glücklicherweise ein Ende. Beim Essen traf ich Julia, Französin, zwölf Jahre alt und begeisterte Patissiere, und als wir so vor uns hin fachsimpelten, fragte Julia, ob ich wüsste, wie man Linzer Torte macht (sie sagte: 'Linzer Tarte', und da muss ich den Franzosen recht geben, denn 'Tarte' trifft es viel eher als 'Torte'), und ob ich es ihr zeigen könnte. So wurde mein erstes selbstgemachtes Gericht in dieser Stadt eine Linzer Torte - und was für eine.
Praktischerweise benötigt man für Linzer Torte auch gar nicht so viele Zutaten, was von Vorteil ist, wenn der Kühlschrank bisher nur Milch (für die Rice Krispies) und Butter (sollte sich immer als erstes im Kühlschrank befinden) enthält. Ich habe allerdings etwas gemogelt, die original Linzer Torte besteht aus zwei verschiedenen Teigen und wird eigentlich mit Johannisbeermarmelade gefüllt. Und trotzdem habe ich ehrlicherweise noch nie eine bessere Linzer Torte gegessen...
Das Rezept diesmal zweisprachig, das habe ich Julia versprochen:

150g Butter (Zimmertemperatur) mit
110 g Puderzucker
1 Prise Salz
1 Ei und
1/4 TL Zimt verkneten.
150 g gemahlene Mandeln und
150 g Mehl unterkneten, nicht zu lange kneten; in Folie packen und 30 min kühlstellen. Dann zwischen zwei Frischhaltefolien ausrollen, eine Springform fetten und mehlen und den Boden mit etwa 2/5 des Teiges auslegen. Ein weiteres Fünftel ergibt den ca. 2 cm hohen Rand. Dann
300-400g Himbeermarmelade (ohne Kerne; es geht aber auch jede andere Marmelade, ganz nach Geschmack) erwärmen, damit sie sich besser verteilen lässt, und die Tarte damit füllen. Zum Schluss die restlichen 2/5 des Teiges in 2 cm breite Streifen schneiden, und die Tarte gitterförmig damit belegen (falls die Streifen zu weich sind und zerfallen, zwischendurch nocheinmal kühlstellen). Die fertig ausgelegten Teigstreifen mit
1 Eigelb, verdünnt mit
1 TL Milch, bestreichen.
Bei 200°C 30 min backen.

Mix
150g butter (room temperature) with
110 g icing sugar,
1 pinch of salt,
1 egg and
1/4 tsp cinnamon. Knead in
150 g ground almonds and
150 g flour, just until the mixture is homogenous. Cover with cling film and chill for 30 min. Roll out between two layers of cling film, butter a baking tin and use about 3/5 of the dough to cover bottom and rim (about 2 cm) of the tin. Heat
300-400 g raspberry jam (or other jam) and fill the tarte with it. Cut the rest of the dough in 2cm wide strips hand cover the tarte by making a criss-cross pattern with them. If the strips are too fragile to handle, put them in the fridge for a few minutes) Brush the dough parts of the tarte with
1 egg yolk, mixed with
1 tsp milk and bake it at 200°C for 30 min.

Merci, Julia! Couldn't have done it without you!

Kommentare:

  1. Also, nun habe ich den Kuchen (die Tarte!!! :P) schon das zweite Mal gemacht (Ostersonntag gleich mal Premiere...) und die Familie ist begeistert (es blieb nicht ein Krümelchen übrig, sogar mein Onkel, der durch die Chemo kaum mehr einen Geschmack hat, war durchaus begeistert *jubel*). Leider sieht meiner aber nicht so kunstvoll aus wie bei dir auf dem Foto (war ja klar :P), dafür hat er wohl geschmeckt. ;)

    Nur musst du mal dazuschreiben welchen Ofen du eigentlich hast. Wir haben Umluft und da waren 200 Grad, 30 Minuten definitiv zu lang, er ist mir oben ein klein wenig angebrannt.

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  2. Du hast völlig recht, Jamie, ich sollte wirklich immer dazuschreiben welchen Ofen ich benutze! Also: ich verwende grundsätzlich nie Umluft, weil das immer ein wenig austrocknet - das ist bei dieser Tarte zwar jetzt nicht soo gefährlich, aber ich habe es mir einfach so angewöhnt, auf einfache Ober- und Unterhitze zu schalten, dass ich gar nicht mehr drüber nachdenke...
    Jedenfalls freut es mich sehr, dass der Kuchen trotzdem so gut ankam bei euch! Mein momentanes absolutes Highlight sind die Orangen-Pistazien-Biscotti, bin grad schon wieder am Backen weil sie so fantastisch schmecken, dass sie immer nur ein bis zwei Tage reichen...

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