Sonntag, 6. Februar 2011

Mein Plan

Fertig fertig fertig. Das bin ich. Aber sowas von fertig. Habe die letzte Prüfung hinter mir und befinde mich gerade in meiner Lieblingsstadt London um den posttraumatischen Examensstress zu überwinden. Was ziemlich gut funktioniert - ich kann es nur weiterempfehlen. Und weil mein Kopf jetzt plötzlich ganz viel Platz hat für Überlegungen aller Art, bin ich dabei, viiiiele Entscheidungen zu treffen. Angefangen mit kleinen Entscheidungen, wie die folgende, diesen Blog betreffende: Ich werde in den kommenden Wochen versuchen, meine beiden großen Leidenschaften, Kochen und Literatur, zu verbinden in einem leicht schrägen Experiment. Und zwar werde ich mich von Literatur zu Gerichten inspirieren lassen. Wie das genau aussieht, weiß ich selbst noch nicht genau, aber man wird sehen. Über die großen Entscheidungen demnächst mehr. Für heute fange ich an mit einem typisch englischen Rezept, das eine sooo lange Tradition hat, dass es sich bereits in der Literatur des 14.Jahrhunderts findet, zum Beispiel in Chaucer's Canterbury Tales: Das Pasty.
Oft als Cornish Pasty bezeichnet, weil höchstwahrscheinlich in Cornwall erfunden, ist das Pasty eine halbkreisförmige Teigtasche, gefüllt mit Fleisch und Gemüse (traditionell mit Zwiebeln, Wurzelgemüse und Rindfleisch) und lässt sich sowohl warm als auch kalt verzehren - in letzterer Form gibt es ein äußerst luxuriöses Pausebrot für lange Tage in der Bibliothek ab.



Als passendes literarisches Zitat habe ich mir ein besonderes Schmankerl ausgesucht: Shakespeares Titus Andronicus, Akt 5, Szene 2. Hier erklärt Titus sein nettes kleines 'Rezept' für die Rache an Chirus, Demetrius und deren Mutter Tamora: er will (und wird) die beiden Söhne zu einem Pasty verarbeiten und dieses ihrer Mutter bei einem Bankett vorsetzen:
    Hark, villains! I will grind your bones to dust,
    And with your blood and it I'll make a paste;
    And of the paste a coffin I will rear,
    And make two pasties of your shameful heads;
    And bid that strumpet, your unhallowed dam,
    Like to the earth, swallow her own increase.
    This is the feast that I have bid her to,
    And this the banquet she shall surfeit on;
    For worse than Philomel you us'd my daughter,
    And worse than Progne I will be reveng'd.

Mein Hang zum Makabren wäre damit fürs erste befriedigt, und ich kann euch beruhigen, meine Pasties waren ausschließlich mit Rinder-Hackfleisch, Mangold, Kartoffeln und Zwiebeln gefüllt. Wer jetzt noch Appetit hat - hier das Rezept:



Für den Pasty-Teig:
550 g Mehl und
2 Prisen Salz mit
220 g Butter (zimmerwarm, in Würfeln) verkneten, nach und nach
350-450 ml lauwarmes Wasser hineinkneten, bis sich der Teig weich und elastisch anfühlt. Abdecken und bei Zimmertemperatur ein wenig ruhen lassen.



Für die Füllung:
1 große Zwiebel in Würfel schneiden und in
etwas Öl anbraten.
250 g Hackfleisch dazugeben und kurz mitbraten, dabei mit
Salz würzen.
3-4 Kartoffeln schälen und in 1cm große Würfel schneiden. Die Blätter von
1 Mangold waschen, den weißen Stiel keilförmig herausschneiden und ebenfalls würfeln, die Blätter in Streifen schneiden. Alles mit dem Fleisch vermischen,
1 Knoblauchzehe durch die Presse drücken und dazugeben, mit
1 EL Paprikapulver,
1 EL Oregano,
1 Prise Muskat,
1 TL Brühpulver,
Salz und Pfeffer würzen.



Den Ofen auf 200°C aufheizen, den Teig in acht Teile teilen und jeden Teil ca. 3 mm dick kreisförmig ausrollen. Auf der einen Hälfte des Teigkreises einige Löffel Füllung verteilen, dabei am Rand etwas Platz lassen. Die andere Teighälfte darüberlegen und die Ränder (wie auf dem Foto) durch Übereinanderfalten und Eindrücken verschließen. Diese Art des Verschließens (engl. 'to crimp') ist charakteristisch für das Pasty und ergibt eine äußerst leckere, knusprige Kruste. Die gefüllten Pasties auf ein Blech mit Backpapier legen, mit einer Mischung aus Eigelb und Sahne bestreichen und etwa 40 min. backen.

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